In diesem Artikel erhältst Du Informationen über die wichtigsten Anlaufstellen und Anmeldungen für Dich als angehender Selbstständiger.

  • Welche Anlaufstellen, Behörden und Ämter sind zuständig?
  • Wo musst Du Deine Selbstständigkeit anmelden?
  • Welche Anmeldungen sind freiwillig?

Finanzamt

Das Finanzamt ist vermutlich die erste Institution, die Dir in den Sinn kommt, wenn Du an Deine Selbstständigkeit denkst. Das Finanzamt ist eine örtliche Behörde der Finanzverwaltung. Der erste Kontakt ist für die Meisten die steuerliche Erfassung des eigenen Gewerbes oder der eigenen UG/GmbH über den steuerlichen Erfassungsbogen. Nach der steuerlichen Erfassung erhältst Du vom Finanzamt eine Steuernummer.

Das Finanzamt ist zuständig für die initiale Anmeldung Deiner Freiberuflichkeit. Es ist hingegen nicht die erste Anlaufstelle, wenn es um die Anmeldung Deines Gewerbes geht.

Gewerbeamt

Zuständigkeit des Gewerbeamtes

Das Gewerbeamt ist zuständig für die initiale Anmeldung Deines Gewerbes. Egal, ob es sich dabei um Dein persönliches Gewerbe, das Gewerbe einer Personengesellschaft, an der Du beteiligt bist, oder Deiner UG/GmbH geht. Personengesellschaften und UGs/GmbHs werden jedoch erst nach der Eintragung in das Handelsregister beim Gewerbeamt angemeldet.

Ablauf der Gewerbeanmeldung

Zur Anmeldung des Gewerbes steht ein Vordruck der Gewerbeämter zur Verfügung. Diesen Vordruck kannst Du entweder zu Hause ausfüllen und per Post einschicken oder Du gehst persönlich zum Gewerbeamt. Die Sachbearbeiter im Gewerbeamt können Dir auch beim Ausfüllen des Vordrucks helfen. Unter folgendem Link findest Du eine Liste mit allen Gewerbeämtern in Deutschland.

https://www.selbststaendig.de/gewerbeaemter

Handelsregister

Das Handelsregister als Verzeichnis

Das Handelsregister ist ein Verzeichnis, das meist bei den Amtsgerichten geführt wird. Es enthält Informationen über Unternehmen und Selbstständige (z.B. Firmenname, Sitz, Geschäftsführer, …).

Pflicht zur Eintragung in das Handelsregister

Eine Eintragungspflicht in das Handelsregister besteht für folgende Unternehmen/Selbstständige:

  • Kapitalgesellschaften (UG/GmbH/AG)
  • Personenhandelsgesellschaften (OHG/KG)
  • (große) Kaufleute

Die Anmeldung zur Eintragung in das Handelsregister läuft über einen Notar. Bei einer UG bzw. GmbH geschieht dies automatisch, sobald Du den Nachweis über die Einzahlung des Stammkapitals an den Notar weitergeleitet hast. Kaufleute und Personenhandelsgesellschaften müssen hingegen selbst aktiv werden.

ACHTUNG – WARNUNG VOR „ABZOCKE“!

Nach der Anmeldung zum Handelsregister erhältst Du eine Kostenrechnung des Amtsgerichts. Da das Handelsregister frei zugänglich ist, kann jeder Deine Veröffentlichung sehen. Einige „Unternehmen“ machen sich dies zu Nutze und schicken frisch eingetragenen Selbstständigen ebenfalls eine Abrechnung, die der Rechnung des Amtsgerichts stark ähnelt. Darin bieten diese Unternehmern in der Regel an, die Daten zu Deiner Selbstständigkeit in einem „Register“ (meist auf einer Internetseite) zu veröffentlichen. Du solltest bei solchen Rechnungen stets prüfen, ob es sich um Rechnungen des Amtsgerichts handelt bzw. Rechnungen, welche Du bezahlen musst oder ob die Rechnung nur den Anschein erwecken soll, dass die reguläre Eintragung in das Handelsregister abgerechnet wird.

Kammern

Aufgaben der Kammern

Die Kammern sind Interessenvertretungen der einzelnen Berufsgruppen von Selbstständigen. Konkret nehmen sie Aufgaben in der Politik wahr und leisten Öffentlichkeitsarbeit. Von vielen Kammern werden sinnvolle Seminare und (teils kostenlose) Weiterbildungsmöglichkeiten für Selbstständige und Angehörige der Kammern angeboten. Hier lohnt es sich in jedem Fall, den Newsletter der für Dich zuständigen Kammer zu abonnieren.

Die wohl bekanntesten Beispiele für Kammern sind die Industrie- und Handelskammern für Unternehmer, die Handwerkskammern für Handwerker oder die Ärzte- bzw. Steuerberaterkammern für Mediziner und Steuerberater.

Anmeldung, Mitgliedschaft und Beiträge

Bei den Kammern ist in der Regel eine eigenständige Anmeldung erforderlich. Es handelt sich um Pflichtmitgliedschaften. Du hast Deine selbstständige Tätigkeit mit Aufnahme bei der Kammer anzumelden. Als Mitgliedsbeitrag ist meist ein jährlicher Grundbeitrag (z.B. bei der IHK von ca. 160€) zu zahlen. Darüber hinaus richtet sich der Beitrag nach Deinem Gewinn als Selbstständiger.

Berufsgenossenschaften | Unfallversicherungsträger

Die Berufsgenossenschaften als Unfallversicherungsträger

Berufsgenossenschaften sind in Deutschland die Unfallversicherungsträger. Es gibt sie, wie die Kammern auch, für verschiedene Branchen. Beispiele wären hier die VBG – Verwaltungsberufsgenossenschaft oder die Berufsgenossenschaft für Nahrung und Gaststätten. Sie sichern die Angestellten der Selbstständigen gegen Arbeitsunfälle ab. Du als Selbstständiger selbst kannst Dich freiwillig versichern.

Anmeldung und Beiträge

Wenn Du Dich nicht freiwillig selbst versicherst entstehen Beiträge nur, sobald du Mitarbeiter einstellst. Als Mitarbeiter gelten hier auch bereits Mini- bzw. 450€-Jobber. Wie auch bei den Kammern, ist eine eigene Anmeldung Deiner Selbstständigkeit von Anfang an Pflicht! Eine Infoline zum Finden der für Dich zuständigen Berufsgenossenschaft erreichst Du unter 0800 60 50 404 (Infoline der gesetzlichen Unfallversicherung).

Künstlersozialkasse

Die Künstlersozialkasse sorgt für Deine soziale Absicherung, wenn Du Künstler oder Publizist bist. Eine Anmeldung ist freiwillig und durch den Selbstständigen selbst vorzunehmen. ACHTUNG: Unter Umständen führt auch die regelmäßige Inanspruchnahme von künstlerischen Dienstleistungen zur Abgabepflicht!

https://www.kuenstlersozialkasse.de/unternehmen-und-verwerter/wer-ist-abgabepflichtig.html

Agentur für Arbeit | Minijobzentrale

Die Agentur für Arbeit bzw. die Minijobzentrale wird relevant, sobald Du Mitarbeiter einstellen möchtest. Zu einem solchen Zweck ist u.a. eine Betriebsnummer zu beantragen. Außerdem informieren Dich beide Stellen über alle Deine Rechte und Pflichten als künftiger Arbeitgeber.