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Die Finanzplanung | Liquiditätslücken rechtzeitig erkennen

By 13. August 2018 No Comments

In diesem Artikel erfährst Du, wie Du drohende Finanzlücken rechtzeitig erkennst und was Du dagegen tun kannst.

Zweck einer Finanzplanung

Die Finanzplanung ist ein Instrument der Liquiditätsplanung. Hiermit planst Du, wann Dir wie viele finanzielle Mittel, also Geld, zur Verfügung stehen. Mit der Finanzplanung erkennst Du mögliche Zahlungsengpässe oder Zeiten, in denen Dir mehr Geld als üblich zur Verfügung steht. Die Finanzplanung brauchst Du unter anderem, um mögliche Auszahlungszeitpunkte für Dich zu bestimmen oder um Aufträge zu planen, für die Du in Vorkasse treten musst.

Unterschied zur Kosten- und Umsatzplanung

Die Finanzplanung unterscheidet sich von der Kosten- und Umsatzplanung, auch wenn beide nicht ganz unabhängig voneinander sind. Bei der Kostenplanung werden die Kosten einzelnen Perioden (z.B. einem bestimmten Monat) zugeordnet. Bei der Kostenplanung versuchst Du also, Deinen Erfolg bzw. die entsprechenden Kosten für den Erfolg in diesem Monat zu ermitteln. Während eine (große) Materialbestellung in der Kostenplanung über mehrere Monate verteilt wird – eben in dem Verhältnis, wie das Material verbraucht wird – wird in der Finanzplanung der Einkauf Deines Materials zu dem Zeitpunkt erfasst, an dem Du die Bestellung bezahlst – also dann, wenn die finanziellen Mittel abfließen.

Vorgehen beim Erstellen einer Finanzplanung

Für die Finanzplanung eignet sich die Darstellung in einer Tabelle. Dabei werden über einen gewissen Zeitraum (z.B. ein Quartal oder ein Jahr) monatlich die Einzahlungen und Auszahlungen, also die Geldeingänge und Abflüsse, gegenübergestellt. Das Ergebnis ist der monatliche Cashflow. Monatliche Fixkosten wie Miete und Strom solltest Du genauso berücksichtigen, wie Wareneinkäufe und Anfangsinvestitionen (z.B. Kauf von Geräten oder Maschinen, Notargebühren usw.). Auch zu bezahlende Beiträge oder Steuern sind Zahlungsabflüsse und werden in der Finanzplanung erfasst.

Was sind Ein- und Auszahlungen?

Einzahlungen

Die Einzahlungen, also die Zuflüsse an Geld, basieren weitestgehend auf Umsätzen und somit auf Deiner Absatz- und Umsatzplanung. Achte darauf, dass Einzahlungen meist erst verzögert nach dem Verkauf oder der Leistungserbringung erfolgen. Auch saisonale Schwankungen können die Umsatz- und Finanzplanung erheblich beeinflussen. Ein gutes Beispiel hierzu wäre eine Eisdiele. Während der Eisdielenbesitzer im Sommer mit erheblichen Umsätzen plant, wird er im Winter eher mit geringeren Umsätzen kalkulieren. Überprüfe, ob und in welchem Ausmaß Dein Unternehmen von solchen Schwankungen betroffen ist.

Auszahlungen

Auszahlungen basieren zum einen auf deiner Absatzplanung – denn um den geplanten Umsatz zu generieren benötigst du unter Umständen Material, was vorher eingekauft werden muss – und zum anderen auf notwendigen Investitionen am Anfang deiner Selbstständigkeit oder bei einem geplanten Ausbau oder Wachstum. Beachte: Bei Bestellungen mit Kauf auf Vorkasse wird die Auszahlung bereits fällig, bevor Du die Ware tatsächlich erhältst.

Häufigkeit der Finanzplanung und Überprüfung

Deine Finanzplanung solltest Du monatlich überprüfen, um Zahlungslücken – also Zeiten, in denen Dir nicht genügend Geld zur Verfügung steht – und finanzielle Engpässe rechtzeitig zu erkennen. Je länger der Zeitraum zwischen Deinen einzelnen Finanzplanungen ist, desto höher ist das Risiko, dass ungeplant ausbleibende Einzahlungen nicht berücksichtigt sind oder dass vorzeitig fällige Auszahlungen zu Engpässen führen. Wenn Du zusätzlich noch vorsichtiger kalkulieren möchtest, solltest Du darauf achten, bei Zahlungseingängen mit Nettopreisen (also ohne Mehrwertsteuer) und bei den Ausgaben mit Bruttopreisen (also inkl. Mehrwertsteuer) zu kalkulieren. Bei der fortlaufenden Finanzplanung macht es durchaus Sinn, auf vergangenen Finanzplanungen aufzubauen. Damit stellst Du unter anderem sicher, dass Du alle Auszahlungen der vergangenen Perioden, wie z.B. Jahresbeiträge, berücksichtigst.

Beispiel und Zusammenfassung

Beispiel einer Finanzplanung

Januar

Februar

März

Einzahlungen

10.000

10.000

Wareneinkauf

-21.000

0

0

Personalkosten

-2.000

-2.000

-2.000

Sonstige Auszahlungen

-1.000

-1.000

-1.000

Cashflow vor Investitionen

-24.000 7.000

7.000

Investitionen

-5.000

0

0

Kontostand

-29.000

-22.000

-15.000

Hier findest Du das Beispiel kostenlos zum Download:

Beispiel – Finanzplanung

Die obenstehende Tabelle zeigt deutlich, welche Belastung ein großer Wareneinkauf für Deine Liquidität darstellen kann. Im Januar fließen 21.000 Euro für Waren ab, welche erst über einen längeren Zeitraum als Umsätze wieder zurück in Dein Unternehmen fließen. Sonstige Auszahlungen können alle Arten von Kosten sein, z.B. Beiträge zu Kammern, Kosten für Steuerberater oder laufende Fixkosten. Du kannst in Deine Finanzplanung eine sinnvolle Zwischensumme einziehen. Hier ist z.B. eine Betrachtung des Cashflows „vor Investitionen“ sinnvoll. Investitionen sind Ausgaben für Maschinen oder auch Auszahlungen für die Gründung Deines Unternehmens. Sie wirken sich über einen längeren Zeitraum – in der Regel unabhängig vom Umsatz – aus. Eine Zwischensumme kann deshalb sinnvoll sein, weil Investitionen nicht direkt mit dem Cashflow aus dem jeweiligen Monat zusammenhängen und auch nicht regelmäßig, sprich z.B. jährlich, anfallen. Erstellst Du, wie oben empfohlen, nun die Planung für den kommenden Zeitraum und baust auf den vergangenen Finanzplanungen auf, ist dies einfacher, da die Investitionen separat aufgeführt sind.

Zusammenfassung

  • Eine Finanzplanung besteht aus der Gegenüberstellung von Ein- und Auszahlungen (Cashflow).
  • Sie schafft einen Überblick über die Liquidität und deckt mögliche Finanzierungslücken oder Potentiale auf.
  • Variable und fixe Kosten können als Auszahlung unabhängig von der tatsächlichen Leistungserstellung und dem Umsatz anfallen.
  • Die Umsatzeinzahlungen erfolgen üblicherweise zeitverzögert zu der Leistungserbringung.
  • Eine monatliche Finanzplanung und Kontrolle ist sinnvoll.
  • Baue bei laufender Finanzplanung auf vergangenen Planungen und Deinen Erfahrungen auf.