In diesem Artikel erhältst Du Informationen über die Kleinunternehmerregelung:

  • Was ist ein Kleinunternehmer überhaupt?
  • Wie funktioniert die steuerliche Vereinfachung?
  • Welcher Voraussetzungen bedarf es, um Kleinunternehmer zu werden?
  • Wann ist die Kleinunternehmerregelung sinnvoll und wann lohnt sich ein Verzicht?

Bedeutung – Kleinunternehmer

Kleinunternehmertum ist eine Sonderregelung, die die Umsatzsteuer betrifft. Häufig werden auch Begriffe wie „Kleingewerbe“ oder „Kleine Selbstständigkeit“ benutzt. Gemeint ist allerdings immer die selbe Sonderregelung.

So gut wie jeder Unternehmer kann Kleinunternehmer sein – Gewerbetreibende, genauso wie Freiberufler. Auch UGs oder GmbHs können die Kleinunternehmerregelung in Anspruch nehmen. Das Gegenteil zu der Kleinunternehmerregelung ist die so genannte „Regelbesteuerung“.

Steuerliche Vereinfachung als Kleinunternehmer

Kleinunternehmer müssen keine eingenommene Umsatzsteuer an das Finanzamt abführen. Das bedeutet, eine monatliche oder quartalsweise Umsatzsteuervoranmeldung – wie sie ein Unternehmer unter der Regelbesteuerung vorzunehmen hat – ist nicht notwendig. Im Gegenzug darf keine gezahlte Vorsteuer, welche in Eingangsrechnungen enthalten ist, beim Finanzamt geltend gemacht werden und wird demzufolge auch nicht erstattet. Auf die Einkommensteuer hat die Kleinunternehmerregelung nur insoweit eine Auswirkung, als dass der Bruttobetrag der Rechnungen als Umsatz/Einnahme bzw. als Aufwand/Betriebsausgabe gilt.

Beispiel zur steuerlichen Unterscheidung – Kleinunternehmer / Regelbesteuerung

Beispiel: Kleinunternehmer Regelbesteuerung
Ausgangsrechnung (an den Kunden)

119 €

Inkl. 19 € Mwst.

Die Umsatzsteuer wird auf der Rechnung nicht extra ausgewiesen. Sie muss nicht an das Finanzamt abgeführt werden; 119 € gelten als Einnahme. Die Umsatzsteuer wird auf der Rechnung ausgewiesen. Sie muss an das Finanzamt abgeführt werden; 100 € gelten als Einnahme.
Eingangsrechnung (z.B. von einem Lieferanten)

 

11,90 €

Inkl. 1,90 € Mwst.

Die Vorsteuer wird nicht vom Finanzamt erstattet. 11,90 € gelten als Betriebsausgabe. Die Vorsteuer wird vom Finanzamt erstattet. 10 € gelten als Betriebsausgabe.

 

Wie wirst Du Kleinunternehmer?

Als Kleinunternehmer gilt grundsätzlich eine Umsatzgrenze im Jahr von 17.500€. Startest du Deine Selbstständigkeit unterjährig, so ist der Betrag entsprechend zu kürzen. Bei der steuerlichen Erfassung Deines Gewerbes, Deiner Freiberuflichkeit oder UG/GmbH musst Du im steuerlichen Erfassungsbogen die Inanspruchnahme entsprechend erklären, indem Du bei der Kleinunternehmerregelung ein Kreuzchen setzt.

Achte darauf, dass Du die Umsatzgrenze nicht überschreitest und auf Deinen Rechnungen nur den Bruttobetrag ohne separate Mehrwertsteuer ausweist.

Du musst auf Deinen Rechnungen auf die Kleinunternehmerregelung hinweisen. Dies kannst Du z.B. mit folgendem Satz tun: „Gemäß der Kleinunternehmerregelung nach §19 UstG wird keine Umsatzsteuer berechnet und ausgewiesen.“

Vorteile der Kleinunternehmerregelung – wann lohnt sich die Inanspruchnahme?

Der erste Vorteil der Kleinunternehmerregelung ist die steuerliche Vereinfachung. Aufgrund dessen, dass die Umsatzsteuer nicht geschuldet wird und nicht an das Finanzamt abzuführen ist, muss keine Umsatzsteuervoranmeldung durchgeführt werden. Diese ist gerade für Unternehmer ohne IT-Kenntnisse oder Budget für einen Steuerberater ein Hindernis.

Der zweite Vorteil ist die Erhöhung der Marge. Da die Umsatzsteuer nicht abgeführt werden muss, kann der Kleinunternehmer diese behalten. Ein Unternehmer mit Regelbesteuerung müsste die eingenommene Umsatzsteuer an das Finanzamt abführen.

Ein Beispiel zum Vorteil eines Kleinunternehmers

Beispiel: Kleinunternehmer Regelbesteuerung
Ausgangsrechnung (an den Kunden)

119 €

Inkl. 19 € Mwst.

Die Umsatzsteuer wird auf der Rechnung nicht extra ausgewiesen. Sie muss nicht an das Finanzamt abgeführt werden; 119 € gelten als Einnahme. Die Umsatzsteuer wird auf der Rechnung ausgewiesen. Sie muss an das Finanzamt abgeführt werden; 100 € gelten als Einnahme.
Eingangsrechnung (z.B. von einem Lieferanten)

 

11,90 €

Inkl. 1,90 € Mwst.

Die Vorsteuer wird nicht vom Finanzamt erstattet. 11,90 € gelten als Betriebsausgabe. Die Vorsteuer wird vom Finanzamt erstattet. 10 € gelten als Betriebsausgabe.
Gewinn/Marge: 119 € – 11,90 € = 107,10 € 100 € – 10 € = 90 €

 

Allerdings gilt dieses Argument nur, wenn der Rechnungsempfänger der Ausgangsrechnung ein Endverbraucher ist bzw. selbst die Umsatzsteuer nicht beim Finanzamt geltend machen kann. Wäre der Rechnungsempfänger ein Unternehmer mit Regelbesteuerung, dann könnte er sich in diesem Fall die an den Kleinunternehmer gezahlte Mehrwertsteuer nicht „wiederholen“ (denn dieser führt keine Umsatzsteuer ab), hingegen bei einem Unternehmer unter Regelbesteuerung schon. Der Unternehmer mit Regelbesteuerung würde demnach einfach eine Rechnung über 119 € + 22,61 € = 141,61 € an den Rechnungsempfänger schreiben und hätte eine Marge von 109 €, somit mehr Gewinn als der Kleinunternehmer.

Vorteile der Regelbesteuerung – wann lohnt sich ein Verzicht auf die Kleinunternehmerregelung?

Als Unternehmer mit Regelbesteuerung kannst Du Dir gezahlte Vorsteuerbeträge auf Rechnungen ziemlich zeitnah im Rahmen der Umsatzsteuervoranmeldung wiederholen. Du kaufst Dir z.B. einen Laptop für 399 €? Darin enthalten sind 63,71 € Mehrwertsteuer und diese erstattet Dir das Finanzamt. Dies ist nicht der Fall, wenn Du von der Kleinunternehmerregelung gebrauch machst.

Fazit

Wenn Du hohe Investitionsauszahlungen (z.B. Laptop, Maschinen oder Materialien) am Anfang Deiner Selbstständigkeit hast, kann ein Verzicht auf die Kleinunternehmerregelung empfehlenswert sein. Hast Du hingegen Probleme mit der monatlichen Umsatzsteuervoranmeldung, geringe Startkosten und vor allem Endverbraucher als Kunden, kann die Kleinunternehmerregelung Vorteile bieten und eine Vereinfachung darstellen.

Alexander

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